SAALFASTNACHT

Die närrische Zeit in Mainz ist immer auch ein Höhepunkt der politischen Kultur. Die Tradition der Mainzer Fastnacht des rheinischen Karnevals ist Politischer Spott aller Art.

Sowohl auf der Straße als auch im Saal - sei es in der Prunksitzung oder auf dem Rosenmontagszug - das politische Treiben wird zur Zielscheibe närrischer Kritik.

Nicht zurückhaltend, eher derb und in schrillen Farben überzeichnen Traditionsfiguren oder großformatige Umzugwagen kleine und große Fehlleistungen von Regierenden und Oppositionellen, gleich ob aus Mainz oder Berlin.

Das Lachen verkündet die Wahrheit - das traditionelle Motto der Narren bezeichnet die Mainzer Saalfastnacht mit ihren Figuren "Bajazz" und "Till".
Der "Bajazz mit Laterne" beruht auf den Bajazzo des italienischen Volksspiels ab. Durch seinem respektloses Auftreten hat er alljährlichen Eintritt in die "Meenzer Fassenacht" bekommen.
Till Eulenspiegel verkörpert in der Mainzer Fastnacht das mittelalterliche Brauchtum und das demokratische Emanzipationsbestreben . Mit Spiegel und Schellenmütze gewappnet äußert er den kritischen Spott des neuzeitlichen Bürgers gegenüber einer bornierten Obrigkeit - und das im Gewand eines Hofnarren aus der Ritterzeit.

1838 gilt als das Geburtsjahr der Mainzer Saalfastnacht. Es war eine Zeit, in der sich das bürgerliche Leben nicht nur um gesellschaftliche Freiräume, sondern auch um den Aufbau einer eigenen politischen Kultur bemühte.

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Saalfastnacht sich grundlegend organisatorisch und inhaltlich gewandelt. Durch die bundesweite Ausstrahlung der Fastnachtssitzung im TV "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" wurde die Mainzer Fastnacht berühmt und ihre Akteure zu Stars. Nicht nur Ernst Neger mit seinem Nachkriegslied "Heile Gänsje", Margit Sponheimer oder Herbert Bonewitz waren bald auch von München bis Hamburg ein Begriff, sondern auch der "Nachwuchs" an jungen Akteur wie Thomas Neger, Tobias Mann, die Hofsänger und viele Andere sind deutschlandweit bekannt.